Krankenhaus Güssing: Schüler bemalten Verabschiedungstücher

23.10.18
Das Krankenhaus Güssing bedeckt im Spital verstorbene Menschen künftig mit bunten Tüchern – statt wie bisher mit weißen. Die neuen Verabschiedungstücher wurden von Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse des Gymnasiums Güssing bemalt.

„Mit dem bewussten Verwenden der bunten Tücher wollen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Achtung des  Verstorbenen bis zuletzt wahren. Wir wollen den Hinterbliebenen vermitteln, dass ihr Angehöriger auch für uns etwas Besonderes war“, sagt dazu die Pflegedirektorin des a.ö. Krankenhauses Güssing, Bianca Puntigam. Das tägliche Leben eines Menschen sei  geprägt von Veränderung, persönlicher Entwicklung und lebenslangem Lernen. Begründet darauf bewerteten auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege im KH Güssing immer wieder ihr Handeln in der Arbeit am Patienten neu. Eine Verbesserung soll künftig der Prozess der Verabschiedung von Verstorbenen sein.

In der Neuausrichtung des Verabschiedungsrituals steht Pastoralassistentin Mag. Raphaela Krojer, die Leiterin der Seelsorgestelle im KH Oberwart, dem Personal unterstützend zur Seite. Projektleiterin Sabine Wagner, Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester in Güssing, sagt: „Die Verwendung der Tücher hat den Sinn, die Kollegen am Krankenbett zum Nachdenken anzuregen. Der Patient ist nach einem langen Lebensweg verstorben. Das Abdecken mit dem Verabschiedungstuch soll den Mitarbeitern die Individualität jedes Menschen verdeutlichen“. Die Tücher werden im Rahmen einer ökumenischen Feieram 25. Oktober 2018, 16 Uhr, Krankenhauskapelle Güssing,  gesegnet.

Nicht nur für VIPs: Schülerinnen und Schüler fragen nach
„Die Schülerinnen und Schüler haben sich in der Vorbereitung auf die Gestaltung der Tücher viele Gedanken gemacht“, berichtet Ulla Tost, Professorin für Bildnerische Erziehung am Gymnasium Güssing. Sie hat mit ihren Schülerinnen und Schülern die neuen Tücher bereits vor den Sommerferien 2018 gestaltet. Unter anderem habe eine Schülerin gefragt: „Sollen die Tücher  ausschließlich mit christlichen Symbolen versehen werden?“ Projektleiterin Wagner antwortete der Schülerin: „Nicht jeder Mensch ist gleich gläubig, deshalb wurden  Symbole und Farben gewählt, die jedem Menschen gleich viel Hoffnung, Wärme, Licht und Freude vermitteln können.“
 
Ein Schüler wollte wissen: „Werden diese Tücher nur für VIPs sein?“ Wagner: „Das war für mich ein Anlass zu erklären, dass uns jeder Mensch gleich wertvoll ist.“

Ein anderer Schüler hat schließlich gefragt: „Gibt es in der täglichen Arbeit als Krankenschwester überhaupt noch etwas zu lachen?“ Die Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester Sabine Wagner antwortete: „Unser Job ist manchmal sehr anstrengend, aber auch sehr schön. Wertschätzung, Achtung und natürlich auch Humor prägen unser Handeln und unseren Arbeitsalltag. Der Tod ist ein Teil des Lebens.“

Auch im zweiten südburgenländischen KRAGES-Spital, im Schwerpunktkrankenhaus Oberwart, werden bunt bemalte Verabschiedungstücher schon seit längerem verwendet.

Fotocredit: Tobias Habitzl