Landeshauptmann Hans Peter Doskozil kündigt Neubau eines Krankenhauses im Zentrum des Bezirks Neusiedl am See an

29.11.19

Projektstart bei KRAGES: sofort KH Kittsee wird bis zu Verlegung weitergeführt - Hauptargumente: Investitionsbedarf, Erreichbarkeit des Standorts - Fünf burgenländische Spitalsstandorte bleiben, davon zwei große Leitspitäler sowie drei Standard-Spitäler mit Rund-um-die-Uhr-Versorgung - Leistungsabstimmungen, Spezialisierungen, verbesserte Kooperation - KRAGES-Bewerbung für Primärversorgungs-Einheiten als Option - Neuer Notarzthubschrauber

Landeshauptmann Hans Peter Doskozil präsentierte am Freitag gemeinsam mit KRAGES-Geschäftsführer Harald Keckeis, Projektleiter Johannes Zsifkovits und dem Gesundheitsplaner und EPIG-Geschäftsführer Wolfgang Habacher Ergebnisse und erste Umsetzungsschritte des „Masterplans Burgenlands Spitäler“.

Der Landeschef kündigte dabei den Neubau eines Spitals im Zentrum des Bezirks Neusiedl an: „Ab sofort wird ein Projektteam an der Standortsuche und allen nötigen Vorbereitungsschritten arbeiten. Auf der Basis eines EPIG-Gutachtens im Masterplan-Projekt haben wir den Raum zwischen Neusiedl, Weiden und Gols als möglichen Standort ins Auge gefasst. Damit wird die Gesundheitsversorgung im Norden des Burgenlandes nachhaltig und langfristig auf höchstem Niveau gesichert – und zwar so, dass der gesamte Bezirk planerisch bestmöglich abgedeckt wird“, betonte Doskozil.

Wesentliches Argument sei der hohe Investitionsbedarf im Krankenhaus Kittsee. Auch die geographische Lage des Standorts Kittsee werde von den Experten des Grazer EPIG  (Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit) als gesundheitsplanerisch unzureichend eingeschätzt. „Der ins Auge gefasste Standort deckt ein Einzugsgebiet von 30 Minuten Fahrzeit für 105.000 Menschen im Nordburgenland und angrenzenden Regionen ab – vor allem den gesamten Seewinkel“, wurde bei der Präsentation am Freitag von EPIG-Geschäftsführer Wolfgang Habacher bestätigt.

KH Kittsee wird bis zur Verlegung weitergeführt

Beide Argumente, Investitionsbedarf und Erreichbarkeit, führten im Zuge des Projektes Masterplan zur Erkenntnis, dass eine Standortverlegung mit einem Neubau im Bezirk Neusiedl/See am sinnvollsten ist. KRAGES-Geschäftsführer Harald Keckeis betonte, dass das bestehende Krankenhaus Kittsee bis zur Verlegung in das neue Spital selbstverständlich weitergeführt und auf Stand gehalten werde.                          

Bedeutung eines neuen Standardspitals für das nördliche Burgenland

Das neue Spital wird von der KRAGES errichtet werden – mit einem Planungsteam wie beim Neubau des Krankenhauses Oberwart, der wie geplant kommendes Jahr starten werde. Im Unterschied zum südburgenländischen Leitspital neu soll die neue Klinik im Bezirk Neusiedl/See ein Standardspital werden, von der Größe her vergleichbar in etwa mit dem Krankenhaus Oberpullendorf – aber von Grund auf neu geplant, dem Bedarf des Bezirks mit der österreichweit am stärksten wachsenden Bevölkerung angepasst.

Versorgung 24/7

Standardspital bedeutet: Es gibt eine Basisversorgung für das Einzugsgebiet. Das heißt im Wesentlichen: Die Notfalls- und Akutambulanz sowie die Interne Abteilung inklusive einer Intensivüberwachung sind 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche in Betrieb. Unter der Woche werden Operationen mit geringerem Komplexitätsgrad sowie geplante Operationen durchgeführt. Terminambulanzen und Spezialambulanzen stehen ebenfalls Montag bis Freitag zur Verfügung. Weiters soll eine Akut-Geriatrie und die Remobilisierung nach Operationen für das gesamte Nordburgenland im neuen Standort Platz finden. Alles Weitere wird in der Bedarfsplanung festgelegt werden. Das Projekt starte ab sofort, so Landeshauptmann Doskozil. Als Eröffnungsdatum für ein neues Spital ist spätestens das Jahr 2030 realistisch.

Unfallambulanz Frauenkirchen wird in Planung berücksichtigt

In diese Bedarfsplanung einbezogen wird auch die bestehende Unfallambulanz in Frauenkirchen, die von den Barmherzigen Brüdern betrieben wird. Der Standort bleibt in jedem Fall als Gesundheitseinrichtung erhalten.

Fünffache Standortgarantie

Der Masterplan macht konkrete Vorgaben zur Zukunftsentwicklung aller fünf burgenländischen Spitalsstandorte. Für diese hat LH Doskozil eine Standortgarantie abgegeben. „Das war für mich immer außer Diskussion“, sagte er am Freitag erneut. Was der Masterplan jedoch bringe, sei eine bessere Leistungsabstimmung nach dem Bedarf, den das Burgenland in Sachen Spitalsversorgung habe. Hier haben die 21 Arbeitsgruppen des Masterplans im Laufe der vergangenen Monate „wirklich wertvolle Arbeit geleistet, für die ich mich bei allen Beteiligten noch einmal ausdrücklich bedanken will“, so der Landeschef.

Status quo ausbauen bei den beiden Leitspitälern

Eisenstadt und Oberwart werden als Schwerpunktkrankenhäuser mit umfassendem Leitungsspektrum für die Versorgungsregionen Burgenland Nord und Burgenland Süd positioniert bleiben. Die Standorte im Bezirk Neusiedl, Oberpullendorf und Güssing werden weiterhin die Rund-um-die-Uhr-Versorgung in Wohnortnähe gewährleisten. Sie werden ihre Leistungsspektren noch mehr auf den Bedarf der jeweiligen Region abstimmen, miteinander kooperieren, Terminambulanzen mit gewissen Schwerpunkten anbieten sowie vor allem geplante Operationen anbieten. Auch organisatorisch werde die KRAGES die Zusammenarbeit von Abteilungen der landeseigenen Krankenhäuser modernisieren.

Neuer Hubschrauber, neue Rettungstransporter, neue Versorgungsformen

Zur Verbesserung der Rettungssysteme soll es einen zusätzlichen Rettungshubschrauber mit Standort Bezirk Neusiedl am See und zwei zusätzliche Einsatzfahrzeuge für Verlegungstransporte im Nord- und Südburgenland geben.                                 

Bei der Absicherung der wohnortnahen ärztlichen Versorgung will LH Doskozil neben den bereits eingeleiteten Maßnahmen überdies die KRAGES auch als Betreiber von Primärversorgungseinheiten positionieren, die nicht besetzbare haus- und fachärztliche Kassenstellen übernehmen, wenn diese von der BGKK ausgeschrieben werden.

Engere Kooperation KRAGES-Kurbad Tatzmannsdorf

Geplant ist auch eine verstärkte Kooperation der Burgenländischen Krankenanstalten-Ges.m.b.H. (KRAGES) mit der Kurbad Tatzmannsdorf AG. Beide sind unter dem Dach der Landesholding Burgenland vereint, weitere Schritte werden hierzu demnächst geprüft.

Verbesserte Gesundheitskompetenz

Weiters geplant seien: Maßnahmen zur generellen Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Burgenländerinnen und Burgenländer, zur Vorsorge und zur Information über die Angebote der Spitäler und auch zur weiteren Digitalisierung des Spitalswesens und die Umsetzung von innovativen Versorgungskonzepten wie „Fast Track Recovery“ nach geplanten Hüft- und Knie-Operationen.

Nächste Schritte

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den burgenländischen Spitälern werden ab heute über die Masterplan-Maßnahmen informiert. Zur Standortverlegung im Bezirk Neusiedl am See werden KRAGES und die Landesimmobilienverwaltung BELIG noch im Dezember eine Projektgruppe bestimmen. Die Landesspitäler der KRAGES haben in einzelnen Bereichen bereits damit begonnen, organisatorische Schritte entsprechend des Masterplans zu setzen.

Kostendämpfung und Investitionen in die Zukunft

„Wir leiten strukturelle und organisatorische Maßnahmen zur Kostendämpfung ein, wir werden aber nicht einfach nur sparen, wo es um die Gesundheit der Bevölkerung geht. Wir wollen nachhaltig in die Gesundheit der Menschen im Burgenland investieren. Um das zielgerichtet und bedarfsgerecht tun zu können, war das Projekt Masterplan entscheidend. Der Masterplan zielt darauf ab, nachhaltig die Versorgungsqualität im gesamten Bundesland zu stärken und für die Zukunft abzusichern“, so Landeshauptmann Hans Peter Doskozil abschließend.


Foto: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit KRAGES-Geschäftsführer Harald Keckeis, Projektleiter Johannes Zsifkovits und dem Gesundheitsplaner und EPIG-Geschäftsführer Wolfgang Habacher.